Fußball und Erfolg

Simplicity
Erfolg ist das Ergebnis, wenn komplexe Zusammenhänge einfach gelingen. Dafür müssen die Bedingungen stimmen.

Fußball…

  • ist unser Leben
  • (die schönste) Nebensache (der Welt)
  • ein knallhartes Business

Irgendwo auf der Skala dieser (nicht vollständigen) Liste ordnen sich wahrscheinlich die meisten Leser dieser Zeilen ein. Ich selbst finde den Sport manchmal unterhaltsam, das Zusammenspiel unterschiedlicher Charaktere auf und um den Platz dagegen oft interessant. Mein letzter Post hier beschäftigte sich ja auch mit dem Umgang, den wir als Gesellschaft mit einer sportlichen Niederlage pflegen, bzw. mit Verantwortlichen.

Heute hat mich ein Blogbeitrag über vermeintliche Motive von Philipp Lahm zu einem Kommentar veranlasst, den ich hier leicht redigiert wiedergeben möchte, weil er beschreibt, wie komplex Zusammenhänge sind, die den Erfolg von Teams mitbedingen.

(…) Philipp Lahm hat keine Thesen veröffentlicht. Du beziehst dich auf einen recht kurzen Text bei LinkedIn. Und ja: dort wirbt er sicher auch für sich (wenn es dazu eines Textes bei LinkedIn bedarf…). Aber eine differenzierte Analyse ist es nicht, und sollte auch nicht so behandelt werden.

Kernthese seines Textes: andere Spieler, die anders hätten geführt werden müssen.

Dass Bundestrainer Löw auch der Coach der Mannschaft war, die im vergangenen Jahr den Confed-Cup gewann, ist richtig. Wie er sie dort geführt hat, ist aber nicht notwendigerweise identisch mit seinem Handling der 2018er “Mannschaft”.

Klar ist, dass haben auch andere bestätigt, es gab eine wesentlich weniger homogen ausgebildete Teamkultur. Junge und Alte gemischt. Und unter enormem Druck (ein wesentlicher Unterschied zum Team Confed. Die waren bei niemandem auf der Rechnung, außer bei sich selbst).

Äußerungen von Löw und Bierhoff seit dem Aus legen nahe, dass es auch in der Führung unterschiedliche Ansichten zum Umgang mit der Erdogan-Krise gab. Nicht überraschend. Aber es wäre nur logisch, wenn sich das auch im Führungsverhalten von Löw niedergeschlagen hätte.

These von mir: Jogi Löw hat gespürt, dass er eigentlich Mehmet Özil und Ilkay Gündoğan nicht nominieren hätte sollen, aber seine Loyalität zu alten Weggefährten (wie Özil – und an anderer Stelle: Neuer) hat ihm diesen konsequenten und mutigen Schritt verboten. Damit hat sich quasi eine Schicksalsgemeinschaft ergeben, in der sich Löw mit den 2014ern befand. Sie, die Weltmeister von Rio, hatten 2018 aber alle – ALLE – ihre eigenen Themen: Neuer, Boateng und bedingt auch Hummels gesundheitlich, Müller sportlich, Özil persönlich (er hadert erkennbar mit der öffentlichen Infragestellung seiner Loyalität zu Deutschland). Selbst Toni Kroos hatte ein Thema, welches ihn beschäftigt hat: er wurde von einem Kamerateam begleitet. Man darf gespannt sein auf die Verwertung des so entstandenen Materials.

Auf dies hat Löw Rücksicht genommen. Hätte er gegen andere eine härtere, konsequentere Gangart angeschlagen, wäre ihm gerade von den Jungen zweierlei Maß vorgeworfen worden. Laissez faire könnte die – verhängnisvolle – (In-)Konsequenz gewesen sein. Womit sich Lahm an der Stelle bestätigt sehen dürfte.

Zurück zu Lahm. Sein Interview in der ZEIT ist sehr viel ausführlicher und insofern ein besserer Gegenstand zur Beurteilung der Frage, die du aufwirfst: worum geht es Lahm? Um einen Beitrag zur Sache, oder um Selbstvermarktung. Du scheinst der zweiten Alternative zuzuneigen, ich tendiere zur ersten. Weil ich glaube, dass Lahm in dieser Frage nicht darauf aus ist, sich für irgendwas – gar beim DFB – ins Gespräch zu bringen. Und neue Kontakte auf LinkedIn wird er ebenfalls nicht zwanghaft suchen müssen…

Ist also was dran am Tenor: neue Spieler, neue (Art der) Führung? Wahrscheinlich. Und die Nichtberücksichtigung von Sane durch Löw könnte ein Indiz dafür sein, wie schwer sich Löw damit tut, Individualisten in ein Team zu formen. Wagner, Frings, Kuranyi, Großkreutz und ganz besonders Ballack sind weitere Beispiele für die Abneigung Löws, schwierige Typen zu integrieren (und “Egoisten” sind schwierig, auch wenn der Typus, dem solche Eigenschaften zugesprochen werden alles andere als eindimensional stereotyp sein dürfte).

Mit der Schwierigkeit, solches zu handeln, ist auch Löw nicht allein, schon gar nicht per se diskreditiert für dein Fortführung des Amtes. Aber es wäre ein Beleg für die Schwere der Aufgabe, die vor dem deutschen Fussball liegt auf seinem Weg zurück zum Erfolg.

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