Eine Schwalbe macht keinen Sommer

Der Fall eines betrügerischen Journalisten in der SPIEGEL-Redaktion wird aktuell heftig diskutiert und von allerhand Sorgen begleitet. Sorgen um den Zustand der Demokratie, die in Gefahr gerate, wenn die freie Presse nicht mehr glaubhaft die Mächtigen kontrollieren könne, weil sie ob eigener Betrüger selbst angreifbar geworden sei.
Was mich umtreibt ist die Sorge, dass wir uns keinen Gefallen tun, wenn wir “den Journalismus” so hoch hängen, wie wir es tun, wenn wir in den Chor der Katastrophen-Sänger zum Fall Relotius einstimmen.
Ich möchte begründen, wo die Dialektik in dem Fall liegt, bzw. warum wir uns selbst keinen Gefallen tun. Weiterlesen „Eine Schwalbe macht keinen Sommer“

Du bist so Achtziger …

Diese Landtagswahl in Bayern hat sicher Bedeutung weit über den Freistaat hinaus. Doch ein Punkt sticht meines Erachtens besonders heraus: Die CSU hat trotz einer wirtschaftlich erstklassigen Konstitution des Freistaats und trotz einer demoskopisch belegten hohen Anerkennung für die Schaffung solcher Rahmenbedingungen, und trotz des Wunsches vieler Bayern, dass deswegen die CSU auch zukünftig eine wichtige Rolle in Bayern spielen soll, eine schwere Demütigung erlitten.

Wie kann das sein? Das Spitzenpersonal der CSU hat angekündigt, sorgfältig analysieren zu wollen, welche Gründe ausschlaggebend waren. Dabei liegen diese Gründe so klar auf der Hand, wie kaum sonst:

Es ist der destruktive Umgang des Spitzenpersonals miteinander und mit der Bundeskanzlerin. Dieser wurde von den Wählern bestraft, was sich klar am Zugewinn für die Grünen ablesen lässt, die in Würzburg und München, zwei wichtigen Diözesen, erstmals sogar mehrere Direktmandate mit teilweise riesigem Vorsprung erringen konnten. Gleichzeitig blieb die AfD weit unter dem, was sie in anderen Ländern erzielen konnte. Wenn es so wäre, dass die “Flüchtlingsthematik” tatsächlich eine so große Rolle gespielt hätte, wäre es genau anders herum erwartbar gewesen: Abstürze für die Grünen und zumindest hie und da ein Stimmkreisgewinn für die AfD, oder ein schwarzer Durchmarsch.

Dass die SPD trotz Wohnungsnot und anderer sozialer Zwänge so schwach abgeschnitten hat, ist m.M.n. zwei Ursachen geschuldet: sie hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem (was mit Fehlern der Bundespartei zusammenhängt, und eher nicht mit dem Landesverband Bayern der SPD) und sie hat (wie übrigens auch die CSU) ein großes demografisches Problem: ihre Themen laufen bei jungen Wählern eher unter “ferner liefen…”.

Umwelt, Mitmenschlichkeit und Wirtschaft lautet für junge Menschen die Prioritätenliste vor politischen Entscheidungen. Warum? Weil die Wirtschaft allenfalls noch kurzfristig gelingen kann, wenn Umwelt und Humanität den Bach runter gehen. Persönliche Befindlichkeiten von Alpha-Tieren sind sowas von Achtziger Jahre … Fragt sich, wann die CSU das merkt!