Was im Leben zählt

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Seit Konrad Kujau dem STERN alt getrimmte Kladden andrehte, hat mich das zweite Hamburger Nachrichtenmagazin nicht mehr interessiert. Doch an diesem Heft konnte ich nicht vorbei gehen: Was im Leben zählt! Das Interview mit Richard David Precht im aktuellen Heft ist tatsächlich lesenswert. Ähnlich wie Bundespräsident Christian Wulff, der in diesem Jahr zunächst aus Anlass des Bosch Jubiläums, später nochmals nach seiner Japan-Reise „eine zweite Industrielle Revolution“ anmahnte, fodert Precht: „Wir brauchen positive Flächenbrände“. So verschieden beide Absender sind, so einig sind sie sich mit der Mehrheit der Bevölkerung, dass es eine Umkehr in Politik und Gesellschaft geben muss.
Während der Bundespräsident pragmatisch argumentiert und Veränderungsbedarf in Wirtschaft und Politik angesichts der Krisen in Wirtschaft und Ökologie kurz- bis mittelfristig aufzeigt, greift Precht, der als Autor philosophische Fragen populärwissenschaftlich thematisiert („Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“,) grundsätzlicher an und beklagt eine Orientierungslosigkeit der Menschen und ihren daraus folgenden Vertrauensverlust in die Politik. Was Christian Wulff nur andeutet, spricht Precht explizit aus: die Gesellschaft ist heute unfähig geworden, Antworten auf die elementare Frage zu geben „Worauf kommt es an im Leben?“
Precht mag richtig liegen in seiner Schlussfolgerung, dass es an philosophisch-moralischer Grundlagenbildung mangele, wenn Menschen diese Antwort für sich nicht finden. Und Zustimmung wird er auch finden, wenn er konstatiert, dass die dazu gelehrte Literatur in den Schulen nicht mehr den Anforderungen entspreche („Goethes ’Werther‘ halte ich für unglaublichen Kitsch“). Allerdings bleibt Precht schwach, als er zur Schaffung eines moralischen Bewusstseins ein „soziales Pflichtjahr (…) für die junge und alte Generation“ fordert.
Wahrscheinlich kennt Precht noch nicht die Geschichten von Thomas Derale und Ma Ma Gombe. Sonst wüsste er, was Menschen dazu bringt, zu erkennen und zu tun, was wirklich wichtig ist im Leben… Ohne Zwang und Pflicht, sondern aus innerem Antrieb: Die Big Five for Life. Sie beinhalten Leadership-Kultur für Unternehmen wie auch Orientierung, Ethik und Moral für Menschen.

A propos: Der Autor der Big Five for Life, John Strelecky, kommt nach Hamburg: am 7. Dezember diskutiert er im Business Club Hamburg mit Unternehmern und am 8. Dezember improvisiert er live und ’unplugged‘ mit seinem Publikum

Es braucht eine Kehrtwende

(C) Copyright Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Bundespräsident Christian Wulff (hier im Gespräch mit Kindern) mahnt eine Kehrtwende bei der Bemessung dessen an, was Glück und Erfolg ist.
Kein geringerer als Bundespräsident Christian Wulff hat sich für eine neue Definition von Erfolg und für eine nachhaltige Interpretation des Wachstumsbegriffes ausgesprochen. „Es braucht eine Kehrtwende zu nachhaltigem Haushalten und Wirtschaften,“ sagte der Bundespräsident im Anschluß an einen Staatsbesuch in Japan gegenüber dem Deutschlandfunk. Dieses erfordere die Notwendigkeit,

„qualitatives Wachstum [zu schaffen], wo man Lebensqualität, wo man Glück, wo man Zufriedenheit anders bewertet als nur in Wachstumsraten, wie das herkömmlich traditionell der Fall ist.“

Ich bin ziemlich sicher, dass Thomas Derale sich gefreut hätte, diese Sätze zu lesen.

Das vollständige Interview mit Bundespräsident Christian Wulff lesen Sie hier. Foto: (C) Copyright Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Dieser Beitrag ist fettehenne.info, dem Blog über Hintergründiges aus der deutschen Politik entnommen.