Mein Revier!

Eine Begnung mit der Natur heute früh habe ich als Video festgehalten und möchte sie an dieser Stelle teilen. Auf meiner täglichen Runde mit dem Hund (auf befestigten Wegen, Hund angeleint) schallten uns Rufe entgegen, die wir nicht oft hören. Es waren, wie sich später durch fachkundigen Hinweis einer guten Freundin herausstellte, Warnlaute. Ein Rehbock stieß sie aus. Ich hielt sie in erster Ergriffenheit für Brunftlaute, was sie nicht sind.

Das Tier warnt seine Umgebung und Artgenossen auf diese Weise vor (möglicher) Gefahr. Es stand lange, beobachtete mich und zog damit Aufmerksamkeit auf sich. Gut möglich, dass andere Tiere diese nutzen sollten, um still zu flüchten.

Dass mir dieses natürliche Verhalten kaum noch begegnet (und dann auch zuerst mißvestanden wird), ist Ausdruck der Entfremdung, die sich in unserer Zeit zwischen Mensch und Natur vollzieht. Dass es mir begegnet, ist gleichwohl ein Anlass zur Freude und zu demütigem Innehalten.

Wir sind nicht alleine auf dieser Welt. Und ohne Achtsamkeit und Rücksichtnahme wird es auch nicht mehr die Welt sein, ohne die wir nicht leben können.

Bin hin und weg

»Bin am Meer« von Udo Schroeter
Kram! Einfach nur Kram! Das waren meine Gedanken, als ich das Buch »Bin am Meer« von Udo Schroeter fertig gelesen hatte. Doch bevor hier falsche Schlüsse gezogen werden: Kram ist nicht das, was ihr denkt. Kram ist dänisch. Und „Kram“ bedeutet in dieser angeblich unpoetischen Sprache – die ich leider nicht beherrsche – so viel wie „feste, herzliche Umarmung“. Ich hatte das Bedürfnis, einen alten Mann zu umarmen, der in einer Woche eine runde und ruhige Persönlichkeit aus Daniel gemacht hatte. Daniel wiederum war jemand, den ich nie getroffen hatte, der mir aber nur all zu vertraut war. Quasi mein Zwillingsbruder. Genau genommen war ich selbst Daniel gewesen. Vor ziemlich genau zehn Jahren. Mehr oder weniger erfolgreich im Job und kurz vor dem Burn Out. Oder sogar schon einen Schritt weiter.

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Das hörende Herz – die Big Five und der Papst

Herz„Was fasziniert dich so an diesem Big Five for Life Konzept?“ Diese Frage höre ich oft. Ganz besonders oft von Kollegen oder Wegbegleitern aus meinem politischen Betätigungsfeld. Meine Antwort ist meistens diese: weil es so wunderbar leicht und verständlich Prinzipien und Werte anschaulich macht. Weil es so intuitiv ist, und den Gehalt für Menschen, die sich mit, abstrakten und theoretischen Traktaten schwer tun oder ihnen aufgrund von Alter oder Bildungsstand noch nicht oder nicht mehr gewachsen sind.

Wie nötig gerade die Hohe Politik die Konkretisierung großer Gedanken und Ideen hat, wurde gestern deutlich, als der Deutsche Bundestag eine Sternstunde erlebte. Papst Benedikt XIV war von Bundestgaspräsident Norbert Lammert eingeladen worden, vor dem Hohen Haus zu reden. Dass sich allein um diese Einladung eine kontroverse und instrumentalisierte Debatte entwickeln konnte, ist ein Ausdruck der narzisstischen Selbstbeobachtung, durch die der politische Betrieb sich selbst und seine Akzeptanz bei den Menschen gefährdet. Denn es war in jedem Fall eine große Rede, die der deutsche Papst im Parlament seines Heimatlandes als Oberhaupt eines anderen Staates hielt. Der Bundestag hat zuletzt ganz sicher wenige Reden von solcher Qualität gehört, nicht nur wegen der Anerkennung des Papstes für die ökologische Bewegung, was natürlich bei den Grünen zu besonderem Beifall führte.

Diese Rede war ein Höhepunkt in der Geschichte des Bundestages. Auch wenn man nicht in allen Punkten mit dem Papst einer Meinung sein muss. Und in einem Punkt bin ich das tatsächlich nicht. Doch dazu später mehr.
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