Einladung zum Kaffeeklatsch

Morgenröte in Berlin oder Götterdämmerung für Angela Merkel? Die Zeichen der Zeit sind widersprüchlich

Robert Habeck, der Vorsitzende der Grünen, hat in einem Blogbeitrag sein persönliches „Ende dieser Bundesregierung“ verkündet. Auslöser war die Entscheidung, den Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz aus seinem Amt zu entlassen (was die SPD gefordert hatte) und ihn zum Staatssekretär im BMI zu befördern (was die SPD einen Staatssekretärsposten kostet, da einer der ihren für Maaßen Platz machen muss). Habe zunächst auch gedacht: „geht‘s noch?!“

Aber es ist einfach, von außen zu urteilen. „Die Regierung“? Wer ist das?

Wir sollten uns vor Augen führen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung (zumindest ausweislich der Umfragen) kein Verständnis hatte, dass die FDP nicht in die Bundesregierung eintritt. Und auch keines für die vorübergehende Absage der SPD, nicht an ihrer (der FDP) statt zum Mehrheitsbeschaffer zu werden. Die GroKo sei für das Land notwendig.

Soweit die Rückblende. Und wenn man die Argumente ernst nimmt (zuvorderst jenes, dass fällige Neuwahlen Wasser auf die Mühlen der Radikalen seien), muss man konstatieren, dass sich daran nichts wesentlich geändert hat.

Bedeutet nicht, dass man die Vorgänge auf der Berliner Bühne gutheißen sollte. Aber die Mühe machen sollte man sich schon, Spreu von Weizen zu trennen. Also: zu schauen, wer sich wie verhält! Und dann wird es etwas komplexer, finde ich!

Wenn sich das Nachbarskind daneben benimmt, an meine Hauswand mit Kreide Frechheiten kritzelt, dann kann ich erwarten, dass die Verantwortlichen (Eltern) dem Einhalt gebieten. Wenn sie es nicht tun, oder nur der Form halber dem Kind Hausarrest erteilen, während sie es mit einer dicken Torte auf der Terrasse für alle gut sichtbar belohnen, habe ich allen Grund enttäuscht zu sein. Ob ich deswegen den Nachbarschaftsrat verlassen sollte, der Entscheidungen trifft für mich, meine Familie und alle anderen Nachbarn, ist etwas ganz anderes.

Natürlich kann man die Forderung erheben, die Bundeskanzlerin müsse das unterbinden. Wie sie es unterbinden soll, ohne die CSU zu desavouieren, muss Herr Habeck noch erklären. Also: wie er es an ihrer Stelle machen würde.

Die Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU ist der schwache Punkt in dieser Konstellation. Oder die Unfähigkeit der Merkel-Gegner, eine Alternative für den Chefposten der Bundesregierung zu organisieren. Die Regierung ist auf diese Gemeinschaft angewiesen, um ihre Mehrheit zu erhalten. Gleichzeitig schaffen es die Mitglieder der CDU nicht, der CSU eine längst fällige Entscheidung abzuverlangen: Hopp oder Top?!

Auch die SPD könnte natürlich (rein theoretisch) die Koalition verlassen, ob der Dreistigkeit von Herrn Seehofer. Aber was dann? Wenn die Bedenken gegen Neuwahlen in dieser Zeit noch stimmen (und Chemnitz, Köthen und der Brexit geben Anlass zur Sorge, dass das so sein könnte), muss man fragen, ob dieser Affront eines einzelnen alten Mannes im Amt des Vorsitzenden der CSU (nur dieses Amt schützt ihn derzeit noch vor der Bedeutungslosigkeit, die ihm auch mancher Rivale in München schon lange wünscht) es Wert ist, einen Winterwahlkampf zu riskieren, wenn Europa gerade jetzt in eine weitere kritische Phase vor dem Brexit-Stichtag eintritt.

Bei allem Ärger über manches an Inkonsequenz in Berlin und anderswo: ich finde, dass Angela Merkel und Andrea Nahles gut daran getan haben, dieses Stöckchen nicht zu überspringen, das ihnen Horst Seehofer, der Verantwortliche für die Deckung der Worte und Taten von Herrn Maaßen, hingehalten hat.

Sie haben ein Anrecht darauf, dass wir als Bürger und Wähler genau hinschauen, wer für was verantwortlich ist. Wenn Horst Seehofer Herrn Maaßen auf seine Terrasse holt und ihn mit einer dicken Torte belohnt, dann sollte die Bayrische Nachbarschaft ihm dafür am 14. Oktober eine Quittung erteilen!

Gesundheit erhalten? Nur mit besserer Information!

Das Blog Ohfamoos hat heute auf Facebook eine Meldung gepostet und mich zu einem Kommentar eingeladen, weil die Herausgeber wissen, wie sehr mich das Thema Gesundheit umtreibt. Es ging um eine Meldung zum Gesundheitsreport einer Versicherung, aufgehängt an einem Interview mit dem wissenschaftlichen Leiter einer Studie, die sich mit dem Gesundheitszustand der Deutschen systematisch auseinandersetzt. Hier mein Kommentar dazu:

Gesundheit zu erhalten ist ohne Information nicht leicht. Information muss jedoch eingeordnet werden. Hier liegt ein Problem unserer heutigen Gesellschaft: die Informationen sind widersprüchlich und somit für Laien kaum zu differenzieren. Vereinfacht formuliert ist es für wachstumsstarke und werbeintensive Industrien (Prof. Froböse nimmt auch Bezug auf die zwiespältige Rolle “der Industrie”) leichter, die Nachrichtenlage in ihrem Sinne zu beeinflussen. Direkt werden Verbraucher mit Marketingbotschaften zu ungesundem Verhalten animiert, indirekt werden Warner und Mahner aus der Wissenschaft und Praxis mittels vermeintlicher Experten konterkariert. Es wird eine widersprüchliche Nachrichtenlage bewusst erzeugt. Die Zucker-Industrie ist dabei inflagranti ertappt worden. Tabak ebenfalls. Andere Branchen sind – so ist zu befürchten – in ähnlicher Weise aktiv. Über allem wird auf regulatorischer Ebene intensiv Lobbyarbeit betrieben, um kurzfristige wirtschaftliche Interessen zu schützen. Die langfristigen volkswirtschaftlichen Risiken – gerade auch für die Sozialversicherungssysteme, aber auch generell – spielen für diese Partikularinteressen keine Rolle. Aber sie werden ähnlich wie der Klimawandel immer schwieriger beherrschbar, je länger die Konsummentalität anhält.

Stress wurde in der Studie erwähnt, Regenerationsfähigkeit auch. Beides ist unmittelbar abhängig von Umweltfaktoren. Auch “harmlose” Chemikalien sind eine Form von Stress und für nachhaltige Gesundheit von großer, leider unterschätzter Bedeutung: zwar sind die Chemikalien, die wir in der Ernährung (als Zusatzstoffe zugelassen ca. 3.000) und in der Produktion (etwa 80.000 zugelassene Substanzen) verwenden dürfen, einer “Unbedenklichkeitsprüfung” unterzogen worden. Die ist jedoch immer nur auf die einzelne Substanz bezogen untersucht worden. Das Halifax-Projekt zeigt aber, dass die Kombinationen mehrerer Substanzen bereits in geringer Konzentration dramatische negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Über diese Umstände ist der Verbraucher nur sehr unzureichend informiert. Wie soll er oder sie dann auf den Feldern Ernährung, Kleidung, Wohnen (allesamt Bereiche, die im unmittelbaren Einflussbereich von Verbrauchern liegen) verantwortliche und gesundheitsfördernde Entscheidungen treffen?

Medicine Story

manitonquat
Medicine_Story
Manitonquat (Medicine Story)

Dieser Text ist ein Abschied. Und eine Verneigung vor einem Menschen, dem ich persönlich nie begegnet bin – leider. Und dennoch fühle ich mich Medicine Story sehr nahe. Meine Kollegin Birgit Konteh hat im vergangenen Jahr einen Online-Summit zum Thema „Being You“ veranstaltet. Dort hat sie in Gesprächen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten die Frage gestellt, die sich viele Menschen stellen, wenn sie sich mit der Entwicklung ihrer Persönlichkeit beschäftigen: „Was brauchst Du, um ganz Du selbst zu sein?“ Manitonquat, so sein indianischer Name, gehörte mit seiner Frau Ellika auch zu den Interviewten. Birgit führte das Gespräch in Englischer Sprache und bat mich um die Transkription und Übersetzung des Inhalts.

Auf diese Weise bin ich dem Menschen Manitonquat sehr nahe gekommen. Heute erhielt ich die Nachricht, dass Manitonquat, Medicine Story, wie ihn jeder nennt, seine letzte Reise angetreten hat. „Der Tod klopft an“, so formulierte es die Mutter seiner Söhne in einem Facebook-Post. Ich bete für eine sanfte Reise für Manitionquat. Und ich danke Birgit, dass Sie der Veröffentlichung meiner Übersetzung des Gespräches aus dem Sommer 2017 zugestimmt hat. Auf diese Weise möchte ich beitragen, dass der Geist, den Story (und mit ihm Ellika) in diese Welt getragen hat, weiter zugänglich bleibt. Er hat mich sehr beeindruckt und ich danke für die Begegnung!

Hier nun der Wortlaut des Interviews: Weiterlesen „Medicine Story“