Vertrauen!

Nicht einmal vier Jahre … Erschrocken bin ich. Wie kurz doch das Gedächtnis reicht. Wie wenig Verständnis wir als Land im Moment aufbringen, der dem 1:7 Brasiliens sehr nahe kommt. Wie hart das Urteil der Kritiker. Wie viele Hellseher es schon kommen sahen.

Haben wir vergessen, dass es mehr braucht als Talent, um siegreich zu sein? Es braucht Glück, es braucht ein Gefühl des Vertrauens. Wo war das Vertrauen in den Wochen der WM. Vertrauen heißt nicht: vertrauen, dass der Sieg kommt. Er kommt mit einer Wahrscheinlichkeit, die nicht höher ist als 50 Prozent. Und er kann nicht jedes Mal kommen.

Vertrauen ist das Gefühl, welches wir unserem Team schenken (!) und welches ihnen signalisiert, dass es UNSER TEAM ist! Was auch immer kommt! Vertrauen ist eine Grundbedingung für Erfolg. Auch für eine erfolgreiche Titelverteidigung!

Wo war das Vertrauen? Wo war es in dieser erbarmungslosen Kritik einzelner Spieler über Fotos mit Politikern? Mesut Özil kenne ich nicht, aber ich vertraue ihm, dass er nicht wegen eines Fotos mit einem Politiker dessen Politik gutheißt. Weder 2010, als es opportun war, ein Foto mit Mesut Özil zum politischen Statement zu machen (es waren „die Politik“ und „die Medien“, die das Foto des Sports auch damals in unangemessener Weise aufgeladen haben), noch 2018, als es plötzlich „verantwortungslos“ war, einem Politiker den Wunsch eines Fotos zu erfüllen. Kann sein, dass Mesut Özil und Ilkay Gündogan nicht gesehen haben, dass ihre Geste politisch munitioniert werden kann. Aber dass wir uns als Gesellschaft so spalten lassen und Sportler derart in die Pfanne hauen, sagt viel mehr über Charakter aus, als vermeintliches Versagen von jungen Männern auf einem Fußballfeld.

Die Reaktionen auf das #Ausscheiden 2018 lassen jene Empathie vermissen, die wir 2014 für Brasilien empfunden haben. Sie lassen jede Empathie vermissen, die wir als Gesellschaft benötigen, um Herausforderungen zu bestehen, den wir uns in einer komplexen Welt ausgesetzt sehen werden, ob wir wollen, oder nicht.

Leute, reißen wir uns zusammen!

Stellen wir uns hinter unsere Mannschaft und zeigen wir, dass wir ihr vertrauen! Dass wir ihr vertrauen, auch diese Herausforderung anzunehmen und zu bestehen! Das wird schon schwer genug. Selbstkritik erfordert große Selbstsicherheit und starkes Selbstbewusstsein. Aber sie erfodert auch die Gewißheit, dass das Land, dessen Wappen die Brust des Trikots ziert, hinter seinen Sportlern steht!

Stellen wir uns hinter unsere Mannschaft! Erinnern wir uns an unsere eigenen Fehlschläge und an das, was es brauchte, um daran zu wachsen: Vertrauen und ein Umfeld, auf das man sich verlassen kann.

In guten wie in schweren Zeiten!

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