Perfekt ist perfekt. Aber mehr nicht!

In einem Diskussionsforum, dem ich angehöre, äusserte ein Teilnehmer diese Zweifel:

»Frage zum Satz: „Ich bin nicht perfekt und das ist gut so!“

Ich kann diesen Satz nicht mit Überzeugung aussprechen. Könnt ihr mir sagen, wieso das gut so ist?

Das einzige, was ich an dem Satz gut finde, ist, dass es den Druck rausnimmt im ständigen Anstrengen, besser zu werden.

Wenn wir perfekt wären, dann wären wir glücklich und würden andere glücklich machen. Keiner würde mehr andere beleidigen, stehlen, Kriege führen, wir würden mit unserem Planeten besser umgehen etc. Wieso ist es also gut, nicht perfekt zu sein?«

Mir fiel dazu ein, dass ich bereits 2011 in anderem Zusammenhang die zwiespältige Umdeutung des Begriffes „Perfektion“ thematisiert hatte. Ich habe daraufhin diese Antwort in das Forum gepostet und gebe sie hier noch einmal wieder, weil es offensichtlich vielen so geht, dass sie Perfektion in einer Weise interpretieren, die fast zwangsläufig zu Problemen führt. Ich schrieb dem Fragesteller dies:

»Du haderst mit der Aussage, dass etwas gut sein soll, was nicht perfekt ist. Du hast recht. Das ist ein Widerspruch, und kommunikativ können wir den so nicht auflösen. Watzlawick hat gesagt, man kann nicht nicht denken. Und daher ist die Verneinung von etwas Positivem kognitiv extrem problematisch.

Mein Vorschlag, bzw. mein Appell: schauen wir doch mal lieber darauf, was wir hier an sprachlicher Tradition uns angewöhnt haben, ohne dass es dafür eine Grundlage gibt.

Wir setzten PEFEKT mit FEHLERLOS gleich. Aber perfekt bedeutet eben gerade nicht fehlerlos. Sondern es bedeutet „fertig“. Und fertig ist gut. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es… und wenn es fertig ist, ist es gut. Egal wie es noch hätte verbessert werden können in einer idealen Welt. Es ist fertig, und wenn ich ehrlich sagen kann, dass ich mein Bestes gegeben habe, um es fertig zu machen, dann ist es gut! Punkt. Dann darf ich mich dafür anerkennen!

Ich bin auch gut und fertig. Ich bin wie ich bin. Und das ist gut so. Heisst nicht: ich habe kein Potenzial für Wachstum. Es heisst nur: Mache Frieden mit dem was war, schau wohin du willst, und gib dein Bestes auf dem Weg dorthin. Und wenn du es gemacht hast, ist es perfekt!«

Es ist vollbracht

Dies ist der erste Beitrag in diesem Blog*. Es ist vollbracht! Und es ist ein Beitrag zu einer spannenden Diskussion auf dem befreundeten Blog ohfamoos. Dort hat Cornelia Lütge heute früh dazu aufgerufen, die eigenen Erfolge zu feiern.

Was ich dazu auf der Ohfamoos-Facebook-Seite kommentiert habe, ist der Auslöser für eine längst überfällige Entscheidung: meine drei bisher eigenständigen Blogs an einer Stelle zusammen zu fassen. Dieser Ort ist nun gefunden: hier!

Insofern, liebe Cornelia Lütge, hau‘ ich hier raus, was ich geschafft habe: ich habe, dank deiner freundlichen Ermunterung, das Traumdoc Blog aufgesetzt. Es ist perfekt!

Für alle, die sich über soviel Vollmundigkeit wundern, hier, als Verständnishilfe und nur ganz leicht redigiert, der eigentliche Text für ohfamoos:

Es ist nicht nur TOLL, was du machst, sondern PERFEKT!

Huch, das P-Wort! 😱

Ganz ernst: Hinter der Furcht vor Selbstlob steckt ja oft die menschliche Sorge, nicht (den Ansprüchen) zu genügen. Und das wiederum geht auf die Be-Wertung zurück, die wir erfahren, die uns prägt. Von Kindesbeinen an oftmals. Die uns verleitet, unseren Selbstwert zu messen, indem wir uns (mit anderen) vergleichen. Obwohl es sinnlos und fatal ist. Sinnlos, weil niemand in meinen Schuhen steckt, außer mir selbst. Und fatal, weil es das Selbst-Bewusstsein verändert. Und nicht zum Guten. Wenn ich mich schlechter fühle, verändert es mein Selbst-Bewusstsein, und wenn ich mich besser fühle auch. In beiden Fällen ungut.

Messe dich an dem, was du zu leisten im Stande bist! Sei ehrlich zu dir – und gerecht! Erwarte nicht zuviel, aber verschleudere auch dein Talent nicht! Gib dein Bestes! Und wisse, dass das täglich etwas anderes bedeutet! Was heute gelingt, weil du gesund, ausgeschlafen und konzentriert bist, kann morgen „zu wenig“ sein. Doch Stress oder Belastung aus anderer Rolle (wir sind alle täglich in zahlreichen Rollen auf der Bühne unseres Lebens) können der Grund sein, weshalb ein anderes Ergebnis herauskommt. Weshalb jemand anderes die gleiche Aufgabe „besser“ erledigt.

Genau darum aber geht es: den eigenen Maßstab (und das sind die eigenen Werte und Prinzipien) im Blick zu haben. Wenn ich diesbezüglich mein Bestes gegeben habe, dann war es ohfamoos! Dann war es perfekt.

Doch, das war es!

perficere = lat., vollbringen, zustande bringen

*Es ist nicht mein erster Blogbeitrag, wie ihr seht, wenn ihr die Seite Über mich lest.

Es ist vollbracht

Welcher Weg ist das Ziel?

20120807-092947.jpg

»Wer das Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben.« Diese Worte von Christian Morgenstern haben es in sich.
Natürlich ist es möglich, auch ohne Ziel in den Tag hinein zu gehen. Doch sind solche Schritte nicht das, was mit dem Weg gemeint ist.
Der Weg, den Morgenstern im Sinn hat, ist der Weg der Erfüllung. Und diesen Weg kann ich nur dann gehen, wenn ich weiß, was meine Ziele sind. Was wirklich zählt in meinem Leben. Sonst wandere ich unter Umständen in die entgegen gesetzte Richtung, ohne es zu merken. Und plötzlich sind 28.200 Tage (meine statistischen Lebenserwartung) vergangen, ohne dass ich das getan, gesehen oder erlebt habe, was mir wirklich wichtig war.
Habt keine Angst, eure Ziele anzupeilen und loszugehen. Es kann sein, dass sich unterwegs herausstellt, dass sich Ziele verändern, Prioritäten verschieben. Das ist ok und ganz normal. Wenn das geschieht, wird der Weg zum Ziel, wie ein anderes Sprichwort lautet. Es ist dann der Prozess des Gehens, der die Erkenntnis bringt. Doch ich muss zuvor wissen, was ich suche, muss ein Ziel anpeilen, bevor ich erkennen kann, dass es nicht „mein“ Ziel ist, sondern ein anderes.
Es geht also nicht um Perfektion im ersten Wurf. Es geht um’s Tun im Bewusstsein der eigenen Bedürfnisse.
Viel Spass auf eurer Safari des Lebens!